ElCom informiert über Versorgungssicherheit und Entwicklungen auf den Strommarkt

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom hat sich an der Jahresmedienkonferenz zur Versorgungssicherheit, internationalen Themen sowie zu weiteren wichtigen Entwicklungen auf dem Strommarkt geäussert. Die Politik hat den Handlungsbedarf in Bezug auf die Winterproduktion grundsätzlich erkannt.

Die Pläne des Bundesrates im Mantelerlasses, die Speicherwasserkraft um rund 2 TWh auszubauen und die heutige Selbstversorgungsfähigkeit zu erhalten, sind wichtig. Ebenso unterstützt die ElCom die erhöhten Zielwerte bei den erneuerbaren Energien. Ein beschleunigter Ausbau ist dringend notwendig. Allerdings scheinen der ElCom die geplanten Massnahmen als nicht ausreichend. Der Importbedarf im Winterhalbjahr steigt nach der Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke gemäss Energieperspektiven über längere Zeit auf weit über 10 TWh an. Wie ein heute publizierter Bericht der ElCom zeigt, führt die hohe Importabhängigkeit zu wesentlichen Risiken während langer Zeit, zumal die Exportfähigkeit der Nachbarländer durch die Reduktion bzw. den Ausstieg aus Kern- und Kohleenergie verringert wird. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen im Ausland, sei dies von EU-Gremien oder von Regulatoren. Der Abschluss eines Stromabkommens ist in weite Ferne gerückt, was die politischen Risiken weiter erhöht. Angesichts der enormen Bedeutung einer sicheren Stromversorgung bedeutet es ein beträchtliches Risiko, das System über Jahre am Limit zu betreiben. Aufgrund dieser Überlegungen empfiehlt die ElCom, dass in der Schweiz mindestens so viel Winterproduktion bereitgestellt wird, dass im Winterhalbjahr nicht mehr als 10 TWh importiert werden müssen.

Die Schweiz gehört zur Gruppe der Länder mit der höchsten Versorgungsqualität in Europa. Die ElCom berechnete wie in den Vorjahren die Stromversorgungsqualität basierend auf den Unterbrechungsmeldungen von mehr als drei Minuten der 94 grössten Netzbetreiber in der Schweiz. Sie repräsentieren 88% der Energieausspeisung in der Schweiz.

Die Kennzahl SAIDI (System Average Interruption Duration Index) beschreibt die durchschnittliche Ausfalldauer pro versorgten Endverbraucher pro Jahr in der Schweiz. 2020 waren es 21 Minuten und damit zwei Minuten mehr als im Vorjahr (2019: 19 Minuten). Die Kennzahl SAIFI (System Average Interruption Frequency Index) beschreibt die durchschnittliche Ausfallhäufigkeit pro Endverbraucher pro Jahr in der Schweiz. Jeder Endverbraucher hatte 2020 0.32 Unterbrechungen pro Jahr. Oder anders gesagt, jeder Endverbraucher hätte im Durchschnitt alle 3.1 Jahre eine Störung. Damit ist die Stromversorgungsqualität in der Schweiz weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

Die ElCom hat im Januar und Februar 2021 18 Verfügungen betreffend die Deckungsdifferenzen der Tarifjahre 2011 und 2012 verabschiedet. Damit ermöglicht sie den Abschluss der Übertragung des Höchstspannungsnetzes auf die Swissgrid. Im Rahmen dieser 18 Verfügungen legte die ElCom auf Antrag der Swissgrid für die ehemaligen Übertragungsnetzeigentümerinnen die regulatorischen Restwerte und die anrechenbaren Kosten der Tarifjahre 2011 und 2012 basierend auf den Ist-Kosten der Jahre 2011 und 2012 fest. Als letzter Schritt kann jetzt die von Swissgrid zu leistende definitive Enteignungsentschädigung durch die Swissgrid und die betroffenen Unternehmen berechnet werden. Damit hat die ElCom einen wichtigen Schritt für die Finalisierung einer der grössten Transaktion in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte der Schweiz über das rund 7’000 km lange Übertragungsnetz mit einem regulatorischen Wert von gut 2.5 Milliarden Franken abgeschlossen. Die Verfügungen sind rechtskräftig.

Die ElCom hat eine gehäufte Bildung von Unterdeckungen in den letzten Jahren und damit von latenten Risiken für künftige Tariferhöhungen festgestellt. Die Zahlen zeigen, dass sich die Unterdeckungen überproportional im Vergleich mit Überdeckungen entwickeln. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Beanreizung für Unterdeckungen hoch ist: Überdeckungen müssen von den Netzbetreibern zu Gunsten der Endkonsumenten verzinst werden, wohingegen für Unterdeckungen Zinsen verrechnet werden dürfen. Bei einem WACC von aktuell 3.83% ist der Anreiz entsprechend gross, übervorsichtig zu kalkulieren und Unterdeckungen in Kauf zu nehmen. Auch könnten Netzbetreiber bewusst Unterdeckungen bilden, um aufgrund der derzeitigen günstigen Finanzierungsmöglichkeiten Zinsgewinne abzuschöpfen. Die ElCom wird ihre Aktivitäten zur Reduktion der Unterdeckungen im laufenden Jahr verstärken, die Unterdeckungen bzw. ihre weisungskonforme Behandlung überprüfen und bei Verstössen die Netzbetreiber anweisen, die Unterdeckungen tarifneutral abzuschreiben.

Die ElCom präsentierte an ihrer Jahresmedienkonferenz ihren Tätigkeitsbericht sowie den Bericht zur Versorgungsqualität. Alle Dokumente sind auf der Webseite der ElCom  einsehbar.

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